Dienstag, 31. Juli 2018

Isarliebhaber klagt gegen Duken und Wangenheim wegen penetranter Werbung am Oberföhringer Wehr



Mit einer Klage gegen die Duken und Wangenheim AG, einem führende Immobilienmakler, wehrt sich ein Liebhaber des Landschaftsschutzgebiets Isarauen gegen eine besonders penetrante Werbung. Hier die Klageschrift:

Amtsgericht München                                                                                                 30.07.2018




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Klage auf Beseitigung einer Werbeanlage (§ 862 Bürgerliches Gesetzbuch -BGB-)
Beklagte 1: Duken & v. Wangenheim AG, Herr Detlev Freiherr von Wangenheim,
Großjeanstr. 4, 81925 München


Die Beklagte wird verurteilt, ihre Werbeanlage am Max-Halbe-Weg 10 in München am Oberföhringer Wehr unverzüglich zu beseitigen. Die Beklagte trägt die Kosten des Verfahrens.

Sachverhalt:
Ich bin Liebhaber des Landschaftsschutzgebiet Isarauen und fahre geschätzt 50 mal im Jahr mit dem Fahrrad von meinem Wohnort im Lehel den Radweg rechts der Isar Richtung Norden. Ich komme dabei am Haus Max-Halbe-Weg 10 vorbei. Dort muss ich vom Fahrrad absteigen und es über das Oberföhringer Wehr schieben. Das war bisher nicht schlimm, da das Haus und das Wehr nach alter Bautradition in die Isarlandschaft eingebunden sind und mit den Bäumen und der Wasserfläche ein Szenario bilden, das mein Wohlbefinden steigert.

Die Beklagte hat jedoch eine großflächige Werbeanlage just an der Stelle am Haus platziert, an der Fußgänger und Radfahrer direkt darauf sehen und aufgrund des Abbremsens die Botschaft wahrnehmen. Ich fühle mich jedes Mal gestört. Die abgebildete Wohnanlage widerspricht der Wildästhetik des Landschaftsschutzgebiets mit den Bauten. Die Beklagte ist dafür bekannt, Grundstücke zu kaufen und mit solchen Ungetümen zu bebauen. Die Botschaft lautet Verdichtung durch Vernichtung von Freiräumen und Grünanlagen. Es ist jedes Mal ein emotionaler Schlag ins Gesicht, von dem ich mich einige Minuten nicht erholen kann.

Rechtliche Würdigung:
Anspruchsgrundlage ist § 862 Abs. 1 in Verbindung mit § 858 Abs. 1 BGB.

Ich bin Mitbesitzer des Landschaftsschutzgebiets Isarauen, wenn ich mich dort aufhalte und dies rechtmäßig aufgrund des Gemeingebrauchs in Art. 141 Bayerische Verfassung und den Naturschutzgesetzen.


Die Werbeanlage ist aufgrund § 4 Abs. 1 LandschaftsschutzgebietsVO „Hirschau und Obere Isarau“ verboten, da sie den Charakter des Gebiets verändert. Eine Erlaubnis nach § 5 Abs. 1 Nr. 25 wäre rechtswidrig. Verbotene Eigenmacht der Beklagten liegt vor.


Montag, 30. Juli 2018

Kulturstrandmucke: Bürgeranliegen beim Bezirksausschuss



Wildfleck wurde ein Bürgeranliegen zur Veröffentlichung gegeben:


Bezirksausschuss Altstadt-Lehel                                                                            30.07.2018

Bürgeranliegen;
Thema: Verwahrlosung von öffentlichen Grünanlagen

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Verwahrlosung der öffentlichen Grünanlagen schreitet munter voran.

Gerade komme ich vom Vater-Rhein-Brunnen. Dort sieht es aus wie bei Hempels unterm Sofa. Überall steht Sperrmüll herum. Der Betreiber des „Kulturstrand“ hat Mülltonnen auf dem Aussichtsbalkon gegenüber dem Müller´schen Volksbad deponiert. Es stinkt dort zum Himmel. Die „hochwertigen Kulturveranstaltungen“ beschränken sich heuer überwiegend auf den hauseigenen DJ, der die übliche Elektromucke der Strandbespaßung abzieht. Der Betreiber parkt seinen Multivan breit auf dem Eingangsweg zum Landschaftsschutzgebiet und genehmigt sich seine Halbe aus der Flasche. Ein Werbeobjekt grinst einen mit dem Spruch an: „Machs mit Du Sau“. Die Speisekarte: „Suppe des Tages: Bier“. Im Nussbaumpark ist es ähnlich.

Natürlich habe ich nach Jahren des Einsatzes für den Erhalt unserer Isarkultur ein gewisses Maß an Realitätssinn für die politischen Beziehungen in München gewonnen, die zu einer solchen Verwahrlosung führen. Das schließt auch eine entwickelte gewisse Zurückhaltung und Toleranz gegenüber Randgruppen ein. Wie andere Anwohner, Bürger und Nutzer des Isarraums möchte ich den Bezirksausschuss nicht „belästigen“. Man sei ja nur einer von vielen und solle halt wegziehen, wenn es einem nicht passe, ist der übliche Spruch, den Liebhaber „hochwertiger Kulturveranstaltungen“ von sich geben. Irgendwann läuft jedoch das Fass über und die Eindrücke, die ich soeben am „Kulturstrand“ gewonnen habe bringen mich zum Schreiben, in der Hoffnung, dass es der machtlose und aufgrund seiner Machlosigkeit untätige Bezirksausschuss wenigstens zur Kenntnis nimmt.

Donnerstag, 19. April 2018

Offener Brief an Nina Bovensiepen (Süddeutsche Zeitung)

Die Süddeutsche Zeitung macht seit Jahren Lobby für Großgastronomie an der Isar und hat diese Woche sogar eine Pressemitteilung des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) veröffentlicht: https://goo.gl/muE8ie

Höhepunkt der SZ-Kampagne ist ein "Kommentar" von Nina Bovensiepen: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/proteste-von-anwohnern-wo-geht-es-hin-mit-der-muenchner-lebensfreude-1.3948538

Die Antwort von Wildfleck:

Sehr geehrte Frau Bovensiepen,
wie kommen Sie eigentlich darauf, dass Menschen keine Lebensfreude daran hätten, wenn Sie ohne eine „Wirtschaft und traditionellen Biergarten“ die Maximiliansanlagen genössen?

Ich bin ein stiller Naturgenießer und absoluter Isarliebhaber. Mir ist bewusst, dass ein solches Projekt den Charakter der Maximiliansanlagen verändern wird.

Als Landschaftsschutzgebiet Isarauen unterliegt der Bereich dem Bundesnaturschutzgesetz. In § 1 (bitte lesen) ersehen Sie, dass es um einen eigenen Wert von Natur und Landschaft geht und um den Erholungswert von Natur und Landschaft.

Das Bundesnaturschutzgesetz meint nicht Wirtshäuser oder Rooftop-Bars wie hier: https://muenchen.mitvergnuegen.com/2017/maxwerk-biergarten

Mir gefallen die Spaziergänge in den Maximiliansanlagen mit
-über 50 Vogelarten (bitte anschauen),
-Dunkelheit zum Sterne- und Mond-Schauen,
-Fledermäusen, Igeln, Eichhörnchen und vielen Tieren,
-sportlichen Menschen, die in Bewegung sind,
-ruhesuchenden Menschen, die im Rasen liegen,
-allen möglichen sozialen Schichten,
-fantastischen Silhouetten wie auch dem Maxwerk,
-spielenden Kindern, die noch ihrer Fantasie freien Lauf lassen können,
und vielem mehr.

Dass ich daran keine Lebensfreude hätte, ist Unsinn. Ich bin auch nur einer von zigtausenden, die es cool und entspannt finden keine Bierdimpfl-Haufen oder Hipsteransammlungen an diesem Ort wahrnehmen zu müssen.

Tatsache ist, dass es tausende potenzielle Nachfrager nach alkoholischen Getränken gibt, die die höchste Gewinnmarge haben. So tun sich Stadtwerke und Augustiner Bräu zusammen und machen als Anbieter Lobby auch durch die Süddeutsche Zeitung.

Ich hoffe, meine Lebensfreude bleibt noch einige Zeit erhalten. Leider verliert München immer mehr seine Traditionen und sein Gesicht. Dazu gehören freie Grünanlagen, die es so nirgends auf der Welt gibt. Anderswo ist alles mit Gastro vollgepflastert wie am Donaukanal in Wien oder an der Spree. Paris Plage ist da nur ein kleines Projekt, ein Massenbiergarten vernichtet die ganze Münchner großbürgerliche Kultur, die in den Maximiliansanlagen ihre letzte Repräsentation hat. Der Augustiner Biergarten macht die Oase der gepflegten Lässigkeit, der wohlwollenden Distanz zu einem Ort der Massenabfüllung. Der Münchner Individualismus stirbt, jeder soll im Dahoam-is-Dahoam Film mitspielen. Und Söder zapft dann an.

Leider haben Sie und Ihre Kollegen null Sinn für diese Mikrokultur, die gerade das von Ihnen propagierte Leben und Leben lassen sichert. Niemand wird zu einem Biergartenbesuch und Konsum gedrängt, wie das am „Kulturstrand“ ja zu beobachten ist. Und niemandem wird eine „Biergarten“ Kultur aufgedrängt, die es so an diesem Platz noch nie gegeben hat.

Die Bezirksausschüsse vertreten die Anwohner und sind kulturell versierter als Sie und viele andere Biergartenlobbyisten.


Als Zugereiste hat man Ihnen wohl eingebläut, dass Biergärten, Lederhosen und Jodeln zur „bayerischen Lebensart“ gehörten. Dem ist nicht so. Es gibt tausende, die nach München gezogen sind, um dieser vermeintlichen Lebensart Gegenentwürfe entgegenzusetzen, die sich auch in der Isarkultur ohne Gastro und Kommerz äußern.

Denken Sie mal drüber nach, bevor Sie sich weiterhin propagandistisch an der Zerstörung kultureller und natürlicher Werte beteiligen.



Mit freundlichen Grüßen


Dr. Stefan Engelsberger


Wildfleck gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)
Sitz: München
Amtsgericht München: HRB 222 825
Gesellschafter-Geschäftsführer: Dr. Stefan Franz Karl Engelsberger

Postanschrift:
Wildfleck c/o Engelsberger, Adelgundenstr. 11, 80538 München