Freitag, 21. Juni 2019

Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung zum Isarboulevard

Zum Artikel: Streit um Isar-Boulevard


Sehr geehrte Damen und Herren,
diesen Leserbrief habe ich auf Facebook gepostet. Ich stelle ihn zur Verfügung unter ausdrücklichen Hinweis, dass ich eine stilistische Umformulierung für die „gute alte Leserbriefecke“ nicht vornehmen werde. Die Medien ändern sich eben. Sollten Sie irgendwann eine Diskussion aller Gesichtspunkte zum Thema Umgestaltung der Isar aufnehmen, wäre ich dankbar. Die meisten Akteure im Stadtrat usw. leben nicht an der Isar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stefan Engelsberger

Hier der Leserbrief:

Ein paar Dinge schreibt die SZ nicht:
1. Der Verein Isarlust wird dominiert von Benjamin David=urbanauten=Kulturstrand=Münchner Forum AK Isar mit dem geschäftlichen Eigeninteresse, Flussbad=Kulturstrand=Kiosk=Lizenznehmer aller Einrichtungen an der Isar zu werden.
2. Grüne/SPD/CSU/usw. möchten an der Isar gastronomische Großeinrichtungen und betonierte Aufenthaltsflächen schaffen, um Massen anzuziehen und den ganzen Isarraum kommerziell zu bespielen. Vorbild: Donaukanal Wien.
3. Verkehrstechnisch wird es für Autofahrer schwieriger, sich auf der Nord/Südachse zu bewegen. Man kann ein Gutachten von Verkehrsexperten zwar ignorieren und einfach sperren, muss dann aber mit Konsequenzen rechnen.
4. Es gibt Anwohner, die davon träumen, dass es nur für sie Ausnahmegenehmigungen gibt und die Stellplätze nur für sie reserviert werden. Da wäre ich mir nicht so sicher. Das Bespielungskonzept soll laut Benjamin David nämlich auf die angrenzenden Bereiche mit Gastromeilen ausgedehnt. werden. Der "Sternmarsch" markiert schon diese angedachten Flächen, die ebenfalls autofrei werden sollen.
5. Die SZ weist immer noch nicht auf die Eigenart des Psychogramms "Benjamin David" hin, der mit einer weiteren Aktion aufzeigt, wie sich die Stadtverwaltung manipulieren lässt. Er hat die Eigenschaft, mit Beamten aller Hierarchien auf Du sein zu können und er markiert seit Jahren sein Territorium, bzw. das Territorium, das er für das Seine hält. Das macht er jetzt sogar direkt, indem er die Straße mit Farbbeuteln markiert und sie sogar tünchen will. Der Verwaltung verkauft er das als "Verkehrsberuhigung", "Badespaß", "hochwertige Kultur" und die macht mit. Auch die Medien spielen alle mit. Vernünftige Bezirksausschüsse werden als rückwärtsgewandte Spaßbremsen diffamiert und unbedarfte Stadträte meinen, auf den vermeintlich zukunftsträchtigen Zug aufspringen zu müssen. Das Ganze erscheint wie eine Sekte, beseelt, das eigene Milieu zu beglücken und das unter einem Guru Benjamin David.
6. Die grundsätzliche Vorstellung von verkehrsärmeren Bereichen ist zu begrüßen Jedoch dürfen Interessen einer Großstadt nicht in den Hintergrund treten. Anwohner brauchen Straßen und die Pendler auch. Touristen bringen nicht nur Verkehr, sondern auch Kohle. Vielleicht sollte man mal mit ganz einfachen Dingen anfangen wie einem Verbot für LKW-Durchgangsverkehr. Es fahren immer noch Hunderte von Viehtransportern an der Isar entlang zum Schlachthof. Man riecht es.
7. Und zu guter Letzt ein Hinweis auf das Landschaftsschutzgebiet Isarauen, das es immer noch formaljuristisch gibt, wenn es auch von Eventgastronomen und der Frau Stadtbaurätin gedanklich ausgeblendet ist. Die Isar ist nicht nur Partyzone, sondern Lebensader für das Stadtklima, Überschwemmungsgebiet, wilder Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen und Rückzugsgebiet naturliebender Großstadtbewohner. Letzteren Tieren, Pflanzen und Menschen, die in einer Großstadt seit Jahrzehnten in Einklang miteinander leben, soll es nun also an den Kragen gehen. Ein Anwohnerstellplatz wird diesen Verlust urbanen Lebens nicht ersetzen können.


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