Dienstag, 6. November 2018

Wildfleck gewinnt eine Schlacht im Kampf um die Isar

Die interessantesten Geschichten, sind immer die, die man nicht in der Zeitung liest. So gab es im Kampf um die wilde und freie Isar eine zweiwöchige Schlacht im Hintergrund der Anti-AfD-Demonstration #wehretdenanfängen. Wildfleck konnte erstmals einen Sieg erringen und dem Eroberer der Isar, Benjamin David, einen wichtigen strategischen Stützpunkt entziehen.

Aber von vorne: Seit Jahren schwelt an der Münchner Isar zwischen Cornelius- und Prinzregentenbrücke ein Kampf zweier Anschauungen. Den meisten Menschen gefällt die Isar wie sie ist, als naturnahes Landschaftsschutzgebiet "Isarauen" mit schönen Aussichten. freien Liegeflächen, großen Freiräumen ohne Werbung und Informationsüberfluss. Anderen Menschen gefällt sie nicht, sie wollen mehr Beton, Bauwerke, Gastronomie. Diese anderen Menschen haben sich schon vor Jahren angekündigt durch "die urbanauten", bestehend aus ihrem Frontmann Benjamin David und Ulrike Bührlen. Diese betreiben die erste Großgastronomie an der Isar mit dem Namen "Kulturstrand", wofür sie von der Stadtverwaltung kostenlos die Bestlage am Vater-Rhein-Brunnen  gestellt bekommen. Wildfleck als Vertreterin der stillen Naturgenießer hat die Fakten über die urbanauten veröffentlicht. Der Kulturstrand wirft in drei Monaten einen hohen sechsstelligen Gewinn ab. 

Das wäre alles nicht verwerflich, wenn sich die urbanauten als normale Gastronomen um eine Lizenz bemühen würden. Sie machen jedoch für sich massiv Lobby, um den Isarraum zu "beherrschen" und einen "Un-Ort" zu erobern. Ihre Sprache ist so gar nicht achtsam, sondern ziemlich aufhetzend. Anwohner werden schon mal als Spaßverderber bezeichnet, die halt wegziehen sollten, wenn es ihnen nicht passte. Einem Dialog mit Andersdenkenden und Andersfühlenden weichen die urbanauten seit Jahren aus. Was die urbanauten wollen, kann man in der sogenannten "Tutzinger Erklärung" nachlesen. Vorbild ist der Wiener Donaukanal. Dort gibt es eine Partymeile, die in München bereits mit dem "Isarinselfest" umgesetzt wird.  Und es gibt die Gastromeile, die in Wien als "Donau-Ballermann" bekannt ist.

Die Lobby der urbanauten erreicht den Stadtrat direkt. Früher war der SPD-Oberbürgermeister Schirmherr, dann der CSU-Bürgermeister Schmid. Die FDP hat am Kulturstrand schon ihr Sommerfest veranstaltet. Die treibende Kraft der Ballermanisierung der Isar sind jedoch die Grünen, aus derem urbanen Milieu die urbanauten stammen. Die urbanauten nutzen den Kulturstrand als Rahmenveranstaltung für ihre politische Lobbyarbeit. Sie veranstalten politische Diskussionen, vor allem um neue Gastroprojekte wie dem "Isarflussbad" voranzutreiben, das sie betreiben wollen. Die "Isarbelebung" durch ihre Gastro wird in einem "Pavillon der guten Dinge" kommuniziert. Das ganze ist eine Spielwiese der urbanauten als politische Vorfeldorganisation der Grünen, die im Laufe der Jahre durch diese Suggestivwerbung viele Menschen für sich einnehmen konnte. Höhepunkt war eine Wahlkampfveranstaltung der Grünen für den Bundestag 2017.




Gastrolobby der urbanauten: Katharina Schulze, Gülseren Demirel und Margarete Bause und unten Benjamin David im Gespräch mit Grünen-Funktionären. Alle Top-Shots an einem Ort.

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Das alles wäre nicht so schlimm, wenn sich die Münchner Grünen für die schöne, wilde Isar einsetzen würden. Tun sie aber nicht. Sie stimmten gegen den Erhalt des Landschaftsschutzgebiets, für einen Großbiergarten im Maxwerk, für das Monsterprojekt eines "Klenzestegs" direkt an der Weideninsel und der Zubetonierung der Isarufer ohne Grün. Dass sie damit die CSU als natürliche Beton-und-Bauwirschaftsvertreterin und Förderer des örtlichen Wirtevereins anziehen, ist ihnen noch gar nicht bewusst geworden. Benjamin David manipuliert diese unbedarfte Truppe seit Jahren in seinem Sinne und gewinnt immer mehr Macht über die Top-Spots der Isar.

Benjamin David hatte immer Unterstützung von ganz Oben. Eigentlich sind nämlich politische, auch Lobbyveranstaltungen in den Isarauen rund um den Bayerischen Landtag verboten. Es handelt sich um eine politische Ruhezone, auch "Bannmeile" genannt. Schon am 26.01.2011 schrieb das Bayerische Staatsministerium des Innern, der "Kulturstrand" diene nicht der "öffentlichen Meinungsbildung" und unterfalle deshalb nicht dem Versammlungsgesetz (Az. ID5-1204-51).  Und der Landtag vertrat diese Ansicht auch zur Wahlkampfveranstaltung der Grünen. Der Freibrief führte dazu, dass es die urbanauten 2018 richtig krachen ließen und sich nicht mehr sehr um Auflagen für ihre Partyzone kümmerten. Die örtliche Bezirksinspektion lässt das Format seit Jahren laufen, was die Nachbarn auch mitbekommen.

Während der Nicht-Kulturstrand-Zeit machen die urbanauten Aktionen, um sich im medialen Gedächtnis zu halten. Sie sind immer auf der Suche nach neuen Plätzen für ihre Gastro- und Lobbytätigkeit. Man bekommt das frühzeitig mit. So gab es vor der Landtagswahl einige Großdemonstrationen in München, die sich gegen die Partei "Alternative für Deutschland" richtete. Auch diese Demos waren eine Art Wahlkampfveranstaltungen für die sogenannten "Linke", zu der sich auch die Münchner Grünen zählen. Die urbanauten nutzten das Feindbild AfD bereits beim Corso Leopold für eine Farbbeutelaktion. Es war klar, dass die urbanauten den Anti-AfD-Hype für sich nutzen werden. Und tatsächlich organisierte Benjamin David bei einer AfD-Veranstaltung in Wambach eine Demo mit "Family and Friends", provozierte dort seinen Rauswurf, ließ sich von der Polizei abführen und stellte sich als Opfer der AfD dar. Ein nicht inszeniertes Video über diesen Vorfall  befindet sich auf youtube.

Wildfleck war aufgrund dieses Opfer-Stunts davon überzeugt, dass eine Aktion kurz bevorstand. Und wie bestellt: Mit #wehretdenanfängen wurden eine Großdemo mit 10.000 Besuchern und ihr Ort bekannt: der Bürgermeister-Erhard-Brunnen auf der Maximiliansbrücke: absolute Bestlage and der wunderschönen Schwindinsel. Ein weiterer Brückenkopf der urbanauten für ihren Eroberungsfeldzug. Jedoch innerhalb der Bannmeile. Und das war die Chance für Wildfleck.

Inzwischen hatten sich einige stille Naturgenießer gemeldet, die sich an einem Netzwerk für den Erhalt der wilden Isar beteiligen wollten. Man muss wissen, dass sich diese eher ruhigen und in sich gekehrten Menschen nicht gerne organisieren und Massenaufläufen ausweichen. Die Politik achtet auf diese Menschen wenig, bevorzugt werden die lauten Menschen, die in Gesellschaft aufgehen. Trotzdem waren einige der Idee nicht abgeneigt, eine Gegendemonstration zu machen. Wildfleck beantragte also die Zulassung einer Mini-Demo am Tag der urbanauten-Demo und zwar am Osteingang des Bayerischen Landtags. Der Landtag lehnte ab und Wildfleck klagte nun beim Verwaltungsgericht München mit der Aussage, eine Versammlung an der Westpforte ginge auch. Eine Gleichbehandlung mit den urbanauten müsse hergestellt werden. Damit kam Wildfleck in den Bereich der Judikative, für die noch kein Einfluss der urbanauten nachgewiesen konnte. Die Exekutive (Innenministerium) und Legislative (Landtag) hätte die urbanauten mit großer Wahrscheinlichkeit wieder gewähren lassen.

Überraschenderweise entschied das Verwaltungsgericht für Wildfleck.


Wildfleck hätte also die Chance bekommen für die Wilde Isar zu werben. Die Landeshauptstadt München hatte das noch 2017 am Vater-Rhein-Brunnen mit Hinweis auf die Bannmeile verboten. Leider reichte der Landtag Beschwerde ein. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hob die Entscheidung des Verwaltungsgerichts auf, vor allem aus Gründen der Verkehrssicherheit. Es stellte klar, dass die Bannmeile grundsätzlich bestünde.



Dadurch gab es Rechtsprechung zum aktuellen Einzelfall. Die ansonsten klagefreudigen urbanauten hätten keine Chance gehabt, den Platz zu besetzen. Die Isar konnte also gerettet werden. Wie die Schwindinsel nach dieser Großdemo ausgesehen hätte, können sich Kulturstrandbeobachter gut vorstellen.

Benjamin David änderte dann den Ort und bekam das Maxmonument. Seine Geschichte des armen AfD-Opfers kaufte ihm die Münchner Abendzeitung ab. Er bekam für seine Demo wichtige moralische Unterstützung des Vereins Lichterkette und Frau Charlotte Knobloch. Er schaffte es, einen großen Teil der Maximilianstraße sperren zu lassen, von der die Hälfte leer war.


Und mit den üblichen Pressemitteilungen und Journalistengesprächen konnten die urbanauten alias Benjamin David und Ulrike Bührlein das Märchen von der gemeinnützigen Kulturorganisation in die Welt setzen, die eine Demonstration für Liebe und Frieden und gegen die "Neonazipartie AfD" mit "einigen Tausend" oder 5.000 Teilnehmern organisiert hätte.  Die Schanklizenz für den Kulturstrand ist durch diese gefakte moralische Aufwertung gesichert.

Den Platz innerhalb der Bannmeile bekamen sie aber nicht. Ein Marsch auf den Landtag fand nicht statt. Was hätte Benjamin David dafür gegeben, diesen Platz auf der Maximiliansbrücke für sich bekommen zu haben. "Historische Aktion" hätten wir heute den Medien entnehmen können. Oder "Isarleuchten" im Angesicht des "faschistischen" Landtags.

Stattdessen war der 5. November 2018 ein Festtag für alle stillen Naturgenießer an der Isar. Ein Hochamt der Herbstgefühle in noch intakter Natur, eine Erweiterung der Vorstellungswelt, Spaß und Freude an wunderschönen Orten. Erstmals gab es sportliche, fitte PolizistInnen mit Radln an der Isar. Rambo-Radler stiegen ab. Hundehalter nahmen Leinen raus. Alte, Junge, eine Lebensfreude ohne Streit. Politik fand im Landtag statt, der Vertretung des Volkes. Lobbyisten und Kommerzialisten wurden nicht gesichtet. Erholung pur. Danke Freistaat Bayern, wir glauben wieder mehr an Dich. Urbanautenfreie Zonen steigern das Wohlbefinden und senken die Krankheitstage der arbeitenden Bevölkerung. Schützt die Isar!

















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