Freitag, 21. Juni 2019

Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung zum Isarboulevard

Zum Artikel: Streit um Isar-Boulevard


Sehr geehrte Damen und Herren,
diesen Leserbrief habe ich auf Facebook gepostet. Ich stelle ihn zur Verfügung unter ausdrücklichen Hinweis, dass ich eine stilistische Umformulierung für die „gute alte Leserbriefecke“ nicht vornehmen werde. Die Medien ändern sich eben. Sollten Sie irgendwann eine Diskussion aller Gesichtspunkte zum Thema Umgestaltung der Isar aufnehmen, wäre ich dankbar. Die meisten Akteure im Stadtrat usw. leben nicht an der Isar.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Stefan Engelsberger

Hier der Leserbrief:

Ein paar Dinge schreibt die SZ nicht:
1. Der Verein Isarlust wird dominiert von Benjamin David=urbanauten=Kulturstrand=Münchner Forum AK Isar mit dem geschäftlichen Eigeninteresse, Flussbad=Kulturstrand=Kiosk=Lizenznehmer aller Einrichtungen an der Isar zu werden.
2. Grüne/SPD/CSU/usw. möchten an der Isar gastronomische Großeinrichtungen und betonierte Aufenthaltsflächen schaffen, um Massen anzuziehen und den ganzen Isarraum kommerziell zu bespielen. Vorbild: Donaukanal Wien.
3. Verkehrstechnisch wird es für Autofahrer schwieriger, sich auf der Nord/Südachse zu bewegen. Man kann ein Gutachten von Verkehrsexperten zwar ignorieren und einfach sperren, muss dann aber mit Konsequenzen rechnen.
4. Es gibt Anwohner, die davon träumen, dass es nur für sie Ausnahmegenehmigungen gibt und die Stellplätze nur für sie reserviert werden. Da wäre ich mir nicht so sicher. Das Bespielungskonzept soll laut Benjamin David nämlich auf die angrenzenden Bereiche mit Gastromeilen ausgedehnt. werden. Der "Sternmarsch" markiert schon diese angedachten Flächen, die ebenfalls autofrei werden sollen.
5. Die SZ weist immer noch nicht auf die Eigenart des Psychogramms "Benjamin David" hin, der mit einer weiteren Aktion aufzeigt, wie sich die Stadtverwaltung manipulieren lässt. Er hat die Eigenschaft, mit Beamten aller Hierarchien auf Du sein zu können und er markiert seit Jahren sein Territorium, bzw. das Territorium, das er für das Seine hält. Das macht er jetzt sogar direkt, indem er die Straße mit Farbbeuteln markiert und sie sogar tünchen will. Der Verwaltung verkauft er das als "Verkehrsberuhigung", "Badespaß", "hochwertige Kultur" und die macht mit. Auch die Medien spielen alle mit. Vernünftige Bezirksausschüsse werden als rückwärtsgewandte Spaßbremsen diffamiert und unbedarfte Stadträte meinen, auf den vermeintlich zukunftsträchtigen Zug aufspringen zu müssen. Das Ganze erscheint wie eine Sekte, beseelt, das eigene Milieu zu beglücken und das unter einem Guru Benjamin David.
6. Die grundsätzliche Vorstellung von verkehrsärmeren Bereichen ist zu begrüßen Jedoch dürfen Interessen einer Großstadt nicht in den Hintergrund treten. Anwohner brauchen Straßen und die Pendler auch. Touristen bringen nicht nur Verkehr, sondern auch Kohle. Vielleicht sollte man mal mit ganz einfachen Dingen anfangen wie einem Verbot für LKW-Durchgangsverkehr. Es fahren immer noch Hunderte von Viehtransportern an der Isar entlang zum Schlachthof. Man riecht es.
7. Und zu guter Letzt ein Hinweis auf das Landschaftsschutzgebiet Isarauen, das es immer noch formaljuristisch gibt, wenn es auch von Eventgastronomen und der Frau Stadtbaurätin gedanklich ausgeblendet ist. Die Isar ist nicht nur Partyzone, sondern Lebensader für das Stadtklima, Überschwemmungsgebiet, wilder Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen und Rückzugsgebiet naturliebender Großstadtbewohner. Letzteren Tieren, Pflanzen und Menschen, die in einer Großstadt seit Jahrzehnten in Einklang miteinander leben, soll es nun also an den Kragen gehen. Ein Anwohnerstellplatz wird diesen Verlust urbanen Lebens nicht ersetzen können.


Mittwoch, 5. Juni 2019

Isarhochwasser: Wildfleck startet Schwemmholzkampagne


Mit Anträgen bei acht Isar-Bezirksausschüssen der Landeshauptstadt München beginnt Wildfleck eine Kampagne zum Erhalt des Schwemmholzes. Die Anträge lauten:

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach dem letzten Hochwasser sind an der Isar viele Holz- und Baumreste liegengeblieben.
Wildfleck setzt sich für urbane Wildästhetik ein. Wir wünschen uns von den Isar-Bezirksausschüssen, sich für einen Verbleib des Holzes einzusetzen.

Nur wenige Menschen wissen, dass die Isar ein Wildfluss ist. Bleibt das Holz noch einige Monate liegen, werden viele Menschen darauf aufmerksam.
Das ist besser als ein teurer Naturlehrpfad.

Auch freuen sich alle Freunde der Wilden Isar und genießen diese besondere Art eines Flusses.

Über eine Weiterleitung an die genannten Bezirksausschüsse würden wir uns sehr freuen.
Diese Nachricht kann auch gern als Bürgerantrag oder Bürgeranliegen behandelt werden.


Mit freundlichen Grüßen


Leider begann das Stadtbauamt schon früh, die Holzreste wieder einzusammeln und alles "sauber und rein" zu machen. Die Hochwasserwiesen südlich der Corneliusbrücke wurden von Schwemmholz "befreit". Die Isar konnte so wieder "zugänglich" und "erlebbar" werden. Ironie aus. Die Entfernung des Schwemmholzes hat natürlich auch nachvollziehbare Gründe jenseits des Münchner Isardiskurses.



Klar ist, dass die Wege geräumt werden müssen. Und die großen Stämme dürfen sich nicht weiter nördlich in einem Wehr verfangen. Während des Hochwassers wurden große Stämme am Wehrsteg entfernt. Jedoch: Ein paar Arbeiter meinten, man tue diesbezüglich etwas zu viel und können durchaus auch mehr Stämme liegen lassen.


Dass das richtig gut und wild aussieht, steht bei den Isarfreunden außer Frage.


Die Müllbehälter und Dixieklos werden ja auch nicht entfernt und mal bei Hochwasser weggespült.


Ein weiteres Argument für das Aufräumen ist die Tatsache, dass das Holz abgefackelt wird wie man hier sehen kann. Kleinholz wird eingesammelt und an Ort und Stelle verbrannt. Leider.


Aber diesen Stamm könnte man schon mal liegen lassen. Eine Isarwacht könnte das Ankokeln und Abfackeln ja verhindern.

Und dieser Stamm ist ein besonderes Exemplar. Er liegt fast direkt vor der Klenzestraße. Von dort soll eine Betonbrücke die Isar überspannen, um Partypeople leichter vom Glockenbach an die Isar zu spülen. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Natur spricht. Weder Isar noch Wildfleck haben Bock auf den sogenannten "Klenzesteg".

Die Anträge ginge an
den BA 01 Altstadt-Lehel
den BA 02 Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
den BA 05 Au-Haidhausen
den BA 06 Sendling
den BA 12 Schwabing-Freimann
den BA 13 Bogenhausen
den BA 18 Untergiesing-Harlaching
den BA 19 Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln

Montag, 3. Juni 2019

Donaukanal Wien - Vorbild für die Isar in München


Wilkommen am Donaukanal Wien, der Partymeile unserer Nachbarstadt. Auf einigen Internetseiten gibt es Werbebilder wie hier.
Der Donaukanal Wien ist Vorbild für den "Rahmenplan Innerstädtischer Isarraum" in München. Man sollte sich den Zustand in Wien genau ansehen, um sich darüber bewusst zu werden, was auf München zukommt, wenn die Pläne verwirklicht werden.
Anders als am Donaukanal, einer Brühe im Betonbett, soll an der Isar eine schöne naturnahe Stadtlandschaft den Partypeople geopfert werden.


Treibende Kraft ist wie immer die Kohle, die einige wenige verdienen wollen. Der Kulturstrand hat im Sommer 2018 erstmals einen Geldautomaten an die Isar gebracht. Am Donaukanal beherrscht die Cannabis- und Alkbranche das Angebot. Erste Werbeflächen wie hier von Swatch haben sich nicht nur eingeschlichen, sondern demonstrieren den gewünschten Kommerz, der vom Hauptbahnhof nun an die Isar ausgedehnt werden soll.


Das Isarflussbad wäre wie in Wien nur ein Feigenblatt der Gastroszene. Wir sehen auf dem Bild das sogenannte Badeschiff an einem warmen Sonntagsommerabend. Wer will dort schwimmen gehen? Und wer schwimmt im Sommer in Neopren bei 13,2 Grad Celsius Isartemperatur an just diesem Sommersonntagabend? Erraten: Niemand. Ein Eventgastronom hat Stadträten in München ein Hirngespinst in den politischen Entscheidungsprozess getragen.
Hoffentlich wird die Notbremse gezogen.


Als hätte sich die Projektgruppe des Planungsreferats, die sogenannte Flussrunde in Wien inspirieren lassen. Der Isar-Schriftzug könnte aber auch Ausdruck von Isarfreunden sein, die München als Vorbild sehen und nicht Wien. Für den Donaukanal wäre der Zustand wie an der Isar eine Aufwertung. An der Isar ist ein Zustand wie am Donaukanal eine Abwertung. Leider will der Münchner Stadtrat eine Abwertung.


An der Isar kann man auf Gras oder auf Kies liegen. In Wien liegt man auf Stein, Beton und Asphalt. Leider will der Stadtrat in München das Gras und Bäume wegmachen und Betontreppen einziehen, damit die Isar "zugänglich" wird. Rausgeschmissene Steuergelder für eine verrückte Idee. Aktionismus von Möchtegernstadtplanern, die die Schönheit des Isarufers nicht wahrnehmen können und auch nicht verreisen, um eine Schule des Sehens und Empfindens zu durchlaufen.


Graffiti sind eher Schmierereien gleich, irgendwelcher Tand steht überall rum. Wenigstens gibt es dadurch vereinzelte Räume für Wildbiesler, deren verdeckte Anwesenheit man an ganzen Donaukanal riechen kann.


Anhänger der Brutalismusfreizeitkultur fühlen sich an den bemerkenswertesten Orten wohl.


Trashgastronomie kilometerlang, das Vorbild für München. Angeblich wünschen sich das tausende Menschen. Hunderttausende Menschen waren an diesem Abend nicht am Donaukanal und werden dort auch nicht hingehen.


Auch eine Großbrauerei hat sich der Trashästhetik angepasst. Weltweit das gleiche Bild. Shabby Chic überall heisst Zwang zu einer niedrigeren Kulturform.


Massen ohne Ende an Engstellen. Flanieren sieht anders aus.


Zugegeben: Das Flex kennen die meisten Münchner elektronischen Nachtmenschen der Jahrtausendwende in Dunkelheit oder aufbrechender Dämmerung und in besonderen Bewusstseinszuständen. Am Tag und mit dieser Trashdeko sieht es aus wie ein Müllhaufen am Tierasyl. Ab und zu klammern sich Affen am Gitter fest und bitten um Befreiung aus dem Käfig des Trashs.


So sieht die Zukunft an der Ludwigsbrücke aus.


Und das blüht uns am Deutschen Museum, wenn die Treppen eingezogen sind.


Die Trashkultur bringt natürlich auch Urban Gardening im Kollektiv oder was sich die Trash-Szene darunter vorstellt. Unvermeidlich: Europaletten verfärbt. Ach, was sind wir doch bunt und natürlich ökologisch.

Was Bilder nicht vermitteln können, ist der Gesamteindruck mit Wahrnehmung von Lärm, Gestank, Müll und Massenabfüllung. Viele Bohemeamis hört man am Kanal, die sowas lieben und exportiert haben. In der Dunkelheit und im Suff erträglich, im Rauschkollektiv geil, auch für Zipper an bestimmten Stellen super.


Wie lehrreich abschreckend war diese Erfahrung am Donaukanal Wien, dem Vorbild für die Umgestaltung der Isar. Genießen wir den letzten Sommer einer herrlichen Stadtlandschaft, eingebettet in weltweit einzigartiger Wildästhetik. Für die Trash-Partypeople kommt nun ihre geliebte Aufwertung. Die anderen müssen sich schleichen. 

SPD München übernimmt Plakatidee von Wildfleck


 Die SPD München hat das Plakat von Wildfleck aus dem Jahr 2016 übernommen. Hier der Link zur damaligen Plakatidee.

Im Internet hat die SPD München ein Bild veröffentlicht, das noch näher am Wildfleck-Plakat angelehnt ist. Hier der Link zum SPD-Webplakat.







Die Plakate wurden zielgruppenorientiert an der Isar zwischen Gärtnerplatz- und Dreimühlenviertel platziert.


Kommentar:
Nach einer ersten Umfrage neutraler Beobachter handelt es sich leicht erkennbar um ein Plagiat. Ich fühle jedoch kein Aufbegehren gegen diese ungefragte Übernahme von Bild, Text und Botschaft. Das kann daran liegen, dass ich froh bin, wenn eine Kernbotschaft von Wildfleck verbreitet wird. Es liegt jedoch auch daran, dass der weitgehend kommerzfreie Zustand der Isar in München viel mit der SPD zu tun hat. Nachdem Georg Kronawitter, der Alt-Oberbürgermeister die Kämpfe um mehr Natur und Erholung ausgetragen und gewonnen hatte, folgte die Wurschtigkeit seines Nachfolgers Ude, der nichts daran änderte. Erst die Schirmherrschaft dessen für den Kulturstrand der Urbanauten brachte dann den Kommerz an die Isar. Bisheriger Höhepunkt: Der erste Geldautomat am Vater-Rhein-Brunnen. Auch macht die SPD im Münchner Forum Lobby für eine Kommerzialisierung der Isar und zwar im Arbeitskreis Isar, dem Wolfgang Czich und Benjamin David angehören. Beide sind auch im "gemeinnützigen" Eventgastronomie-Verband "Isarlust" tätig und setzen sich für eine Partymeile rund um das Deutsche Museum und weit darüber hinaus ein. Die Plagiatorin ist also nicht besonders glaubwürdig und sie befindet sich noch dazu im parteipolitischen Siechtum. Das führt dazu, dass die gute Botschaft einer kommerzfreien Isar mit einer Verliererpartei von Gestern verbunden werden wird. Die Grünen, CSU und FDP können also mit geringem Risiko Werbung für Bars, Kneipen, Kioske und Liegestuhlverleihe machen und werden als urban, hip und zukunftsorientiert wahrgenommen. Oder auch nicht. Wir dürfen uns auf die Präsentation des Themas "Isar" freuen.

Mittwoch, 29. Mai 2019

Anregung Bayerischer Landtag Artenschutz - Umweltausschuss


Ausschuss für Umwelt und Verbraucherschutz
12. Sitzung Donnerstag, 6. Juni 2019, 9:15 Uhr, Saal N 401
TOP I. 2. Gesetzentwurf Thomas Kreuzer u. a., LT-Drucksache 18/1816

Sehr geehrter Herr Flierl,
sehr geehrter Herr Friedl,

gestatten Sie uns bitte, dass wir uns an Sie als Berichterstatter wenden.
Wildfleck ist eine gemeinnützige Unternehmergesellschaft und vor allem in urbanen Gebieten wie München aktiv. Wir verstehen und als zeitgemäße Nichtregierungsorganisation (NRO) bzw. Non-governmental organisation (NGO).

Wir hätten zwei Ergänzungswünsche an den Gesetzesentwurf:

1. § 1 Nr. 2 Buchst. b:

In Art. 5 Abs. 3 Satz 1 BayNatSchG wird ergänzt durch natürliche und juristische Personen mit Naturschutzbezug.
(3)1 Die Vorbereitung, Betreuung und Ausführung der Maßnahmen nach Abs. 1 kann auch Vereinen übertragen werden, in denen möglichst flächendeckend kommunale Gebietskörperschaften, Landwirte und anerkannte Naturschutzverbände und sonstige natürliche und juristische Personen mit Naturschutzbezug sich gleichberechtigt und für den Naturschutz und die Landschaftspflege einsetzen (Landschaftspflegeverbände).
Begründung: Will der Staat Erfolg beim Naturschutz haben, muss er den Kreis der Akteure erweitern. Da die Zivilgesellschaft sich immer weiter ausdifferenziert, muss das Gesetz möglichst allen Rechtsformen gerecht werden. Naturschutzorganisationen in der Form einer gemeinnützigen GmbH oder Einzelpersonen mit eigenen Biotopen oder Firmen der Naturschutzbranche sollten nicht aus der Möglichkeit der Teilnahme an einem Landschaftspflegeverband ausgeschlossen werden.

2. § 1 Nr. 3:

In Art. 5b Nr. 1 BayNatSchG wird der Gebietstyp „Landschaftsschutzgebiet“ und „Naturpark“  in den Kreis der förderberechtigten Gebiete aufgenommen.

Begründung: Gerade in urbanen Gebieten spielen Landschaftsschutzgebiete eine große Rolle. Und in der Stadt befinden sich auch viele Menschen, denen Natur vor Ort wichtig ist. Diese Menschen sollten nicht von förderwürdigen Projekten abgehalten werden. Auch Naturparks sind wichtig, weil sie nicht so hohe fachliche Anforderungen an Projekte stellen. Somit können viele Menschen angesprochen werden, um den Naturschutzgedanken zu verbreiten und auch die Grenzen des Naturschutzes aufzuzeigen.

Diese E-Mail ist veröffentlicht und unterliegt keiner datenschutzrechtlichen Beschränkung:

Eine Weiterleitung an Entscheidungsträger begrüßen wir sehr.



Dr. Stefan Engelsberger


Wildfleck gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)
Sitz: München
Amtsgericht München: HRB 222 825
Gesellschafter-Geschäftsführer: Dr. Stefan Franz Karl Engelsberger

Postanschrift:
Wildfleck c/o Engelsberger, Adelgundenstr. 11, 80538 München


Donnerstag, 9. Mai 2019

Wildfleck schreibt Frau Stadtbaurätin Dr. (I) Elisabeth Merk zum Isarplan

Stadt und Fluss - Rahmenplanung innerstädtischer Isarraum
Ausschuss für Stadtplanung und Bauordnung
Sitzung vom 02.05.2019, vertagt auf 22.05. oder 29.05.2019

Kurzübersicht dieses Schreibens
1. Einklagbaren Hochwasserschutz beachten, Grünen-Antrag nicht umsetzbar,
2. Naturschutz beachten. Auslichtungen rechtswidrig,
3. Volksbegehren Artenschutz vor Umsetzung, Artgerechte Neupflanzungen notwendig,
4. Gezielte und neutrale Öffentlichkeitsbeteiligung anliegender Bürger fehlt,
5. Explizit: Alkoholverkauf, Alkoholsucht und Isarkultur,
6. Hinweis auf einklagbares Umweltinformationsgesetz.


Sehr geehrte Frau Stadtbaurätin,

gestatten Sie mir bitte den Wunsch, folgende Punkte zu berücksichtigen:

1. Die Stadtratsfraktion Die Grünen Rosa Liste hat einen Antrag eingebracht, worauf der Tagesordnungspunkt vertagt wurde.


Punkt 2c dieses Antrags ist nicht umsetzbar.
Isarbalkone und Treppen zum Fluss mit Sitzstufen lägen im Überschwemmungsgebiet der Isar.


Nach § 78 Abs. 4 Wasserhaushaltsgesetz (WHG) ist dort die Errichtung und die Erweiterung baulicher Anlagen untersagt.
Eine Ausnahme nach Abs. 5 bedürfe einer Prüfung der Auswirkung auf den Hochwasserschutz.
Dabei wären auch die Auswirkungen auf die Nachbarschaft zu prüfen. Es handelt sich dabei um ein subjektiv öffentliches Recht.
Der Deutsche Bundestag hat sich für diesen einklagbaren Drittschutz entschieden.


Auch die Qualifizierung der Bauvorhaben nach § 78a Abs. 1 Nr. 1 WHG und eine Ausnahme nach Abs. 2 wären drittschützend.
Die Landeshauptstadt München hat diese Tatsachen bisher nicht berücksichtigt. Es finden sich keine Aussagen zum Überschwemmungsgebiet.

Ich rege an, diese gesetzlichen Vorgaben zu berücksichtigen und den Stadtrat darüber zu informieren.
Es ist eine offenkundige Tatsache, dass ein Rückbau der Ufermauer das Überschwemmungsgebiet verändert.
Ein Meilensteinplan noch in 2019 ist nicht machbar, da die Nachbarschaft in diesem Verfahren klagebefugt ist.
Die Nachbarschaft besteht auch aus den Ober- und Unterliegern, deren Keller schnell volllaufen können.
Die Landeshauptstadt München ginge mit einem überhasteten Verfahren ein großes Klage- und Haftungsrisiko ein.

2. Die beschriebenen „Auslichtungen“ des naturnahen Gehölzbestands sind rechtswidrig.
Sie betreffen die Gewässerrandstreifen der Isar. Das Entfernen von Bäumen und Sträuchern ist nach § 38 Abs. 4 Nr. 2 WHG verboten.
Ein Verbot enthält auch Art. 16 Abs. 1 Nr. 1 BayNatSchG.
Eine Ausnahme wegen weniger Menschen, die Beton einer naturnahen und ökologisch wertvollen Isar vorziehen ist gesetzlich nicht vorgesehen.
Auf Privatgrund sind solche „Gärten des Grauens“ möglich. Es gibt aber erste Einschränkungen von Kommunen.
Der Stadtrat sollte darüber informiert werden, dass er sich gegen das Gesetz stellt.

3. Außerdem sollte der Stadtrat darüber informiert werden, dass es ein Volksbegehren „Artenschutz“ gegeben hat. Der Bayerische Landtag wird dieses Volksbegehren umsetzen.



Die Bayerische Staatsregierung weitet in § 5 des Gesetzentwurfs den Gewässerrandstreifen für Grundstücke des Freistaats Bayern sogar auf zehn Meter aus.

Der sogenannte „Isarrahmenplan“ berücksichtigt diese Vorgaben und damit den Volkswillen nicht.
Die „Auslichtungen“ waren bisher Rodungen, die zwar den Zugang für Menschen leichter ermöglichten, jedoch den Raum von Kleintieren und Vögeln nahmen.
Jegliche Rodung von Pflanzen in Städten ist klimaschädlich und widerspricht den UN-Klimazielen.
Die Sitzungsvorlage enthält das Wort „Klima“ kein einziges Mal und auch kein zusammengesetztes Wort mit „-klima-„.
Ein Verzicht auf weitere Auslichtungen und eine Aussaat und Anpflanzung eines artenfreundlichen Bewuchses entspräche den gesetzlichen Vorgaben und dem Volksbegehren.
Hier gibt es zwar kein Klagerecht wie beim Hochwasserschutz. Der Bürger könnte sich aber durch das von der Stadtverwaltung begrüßte „Guerilla Gardening“ selbst behelfen.
Es bestünde dabei die Gefahr einer unsachgemäßen Bepflanzung. Es wäre wünschenswert, diese Maßnahmen dem Gartenbauamt zu übertragen.

4. Die Aussagen zur Öffentlichkeitsbeteiligung sind unvollständig.
Es fehlen Hinweise auf Anträge der Bürgersammlung Altstadt-Lehel.



Der Wunsch nach Erhalt der naturnahen Isar wurde von der Bevölkerung mehrheitlich geäußert, aber von der Verwaltung abgelehnt.
Die Bevölkerung wurde auch nicht in der Flussrunde berücksichtigt. Es dürfen daran außer Mandatsträgern nur ausgewählte Personen teilnehmen, die sich für
den Isarrahmenplan aussprechen, bzw. diesen nicht in Frage stellen. Auch die Spaziergänge sind so gestaltet, dass der Teilnehmerkreis
begrenzt und einseitig ist. Es fehlen Breitenwirkung als auch Neutralität. Veranstaltungen werden zudem dem Betreiber des Kulturstrands überlassen, der einen Interessenskonflikt als Gastwirt hat.
Bei allem entsteht der Eindruck. der Isarrahmenplan sei von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung herbeigesehnt, was nicht in Ansätzen erkennbar ist.

Eine Professionalisierung der Öffentlichkeitsarbeit ist wünschenswert. Der komplexe Sachverhalt von Hochwasserschutz über Denkmal-, Naturschutz hin zur Bedeutung der Isar für das Stadtklima und die Gefahr einer Übernutzung hin zur Partymeile sollte jedem betroffenen Anlieger im Isargebiet (einige Zehntausend) übersichtlich dargestellt und zugesandt werden. Dabei sollte auf kindliche Erklärungsversuche verzichtet werden wie z. B. einem Papierfernrohr oder kindlicher Rhetorik wie dem Spruch, man müssen dem Bürger die Angst nehmen. Aktive Bürger haben keine Angst vor Entwicklungen, sondern informieren sich und wägen ihre Interessenslage ab. Mit Erwachsenen spricht man nicht so, wie es das Stadtplanungsreferat tut.

5. Auch Werbeträger, die von einer „hochwertigen Kulturveranstaltung“ am Vater-Rhein-Brunnen sprechen sind einer Glaubwürdigkeit bei ästhetisch gebildeten Bürgern nicht zuträglich. Eine Notwendigkeit des Alkoholverkaufs in nahen Abständen und damit die Förderung der Alkoholsucht sollte begründet werden. Dies hinsichtlich der Kioskkultur in Großstadtgebieten (Cornern HH Schanze usw.) und ihrer Einbettung in die Münchner Isarkultur, die in der Mitte noch fast ursprünglich und nicht besoffen und vergrillt ist.

6. Wildfleck hat umfassende Auskunftsanträge nach dem Umweltinformationsgesetz gestellt und wird diese gesetzlich und einklagbare Form der Informationsbeschaffung weiterhin beschreiten.

Ich veröffentliche dieses Schreiben auf Wilde Isar Blog.

Mit freundlichen Grüßen


Dr. Stefan Engelsberger


Wildfleck gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)
Sitz: München
Amtsgericht München: HRB 222 825
Gesellschafter-Geschäftsführer: Dr. Stefan Franz Karl Engelsberger

Postanschrift:
Wildfleck c/o Engelsberger, Adelgundenstr. 11, 80538 München