Montag, 3. Juni 2019

Donaukanal Wien - Vorbild für die Isar in München


Wilkommen am Donaukanal Wien, der Partymeile unserer Nachbarstadt. Auf einigen Internetseiten gibt es Werbebilder wie hier.
Der Donaukanal Wien ist Vorbild für den "Rahmenplan Innerstädtischer Isarraum" in München. Man sollte sich den Zustand in Wien genau ansehen, um sich darüber bewusst zu werden, was auf München zukommt, wenn die Pläne verwirklicht werden.
Anders als am Donaukanal, einer Brühe im Betonbett, soll an der Isar eine schöne naturnahe Stadtlandschaft den Partypeople geopfert werden.


Treibende Kraft ist wie immer die Kohle, die einige wenige verdienen wollen. Der Kulturstrand hat im Sommer 2018 erstmals einen Geldautomaten an die Isar gebracht. Am Donaukanal beherrscht die Cannabis- und Alkbranche das Angebot. Erste Werbeflächen wie hier von Swatch haben sich nicht nur eingeschlichen, sondern demonstrieren den gewünschten Kommerz, der vom Hauptbahnhof nun an die Isar ausgedehnt werden soll.


Das Isarflussbad wäre wie in Wien nur ein Feigenblatt der Gastroszene. Wir sehen auf dem Bild das sogenannte Badeschiff an einem warmen Sonntagsommerabend. Wer will dort schwimmen gehen? Und wer schwimmt im Sommer in Neopren bei 13,2 Grad Celsius Isartemperatur an just diesem Sommersonntagabend? Erraten: Niemand. Ein Eventgastronom hat Stadträten in München ein Hirngespinst in den politischen Entscheidungsprozess getragen.
Hoffentlich wird die Notbremse gezogen.


Als hätte sich die Projektgruppe des Planungsreferats, die sogenannte Flussrunde in Wien inspirieren lassen. Der Isar-Schriftzug könnte aber auch Ausdruck von Isarfreunden sein, die München als Vorbild sehen und nicht Wien. Für den Donaukanal wäre der Zustand wie an der Isar eine Aufwertung. An der Isar ist ein Zustand wie am Donaukanal eine Abwertung. Leider will der Münchner Stadtrat eine Abwertung.


An der Isar kann man auf Gras oder auf Kies liegen. In Wien liegt man auf Stein, Beton und Asphalt. Leider will der Stadtrat in München das Gras und Bäume wegmachen und Betontreppen einziehen, damit die Isar "zugänglich" wird. Rausgeschmissene Steuergelder für eine verrückte Idee. Aktionismus von Möchtegernstadtplanern, die die Schönheit des Isarufers nicht wahrnehmen können und auch nicht verreisen, um eine Schule des Sehens und Empfindens zu durchlaufen.


Graffiti sind eher Schmierereien gleich, irgendwelcher Tand steht überall rum. Wenigstens gibt es dadurch vereinzelte Räume für Wildbiesler, deren verdeckte Anwesenheit man an ganzen Donaukanal riechen kann.


Anhänger der Brutalismusfreizeitkultur fühlen sich an den bemerkenswertesten Orten wohl.


Trashgastronomie kilometerlang, das Vorbild für München. Angeblich wünschen sich das tausende Menschen. Hunderttausende Menschen waren an diesem Abend nicht am Donaukanal und werden dort auch nicht hingehen.


Auch eine Großbrauerei hat sich der Trashästhetik angepasst. Weltweit das gleiche Bild. Shabby Chic überall heisst Zwang zu einer niedrigeren Kulturform.


Massen ohne Ende an Engstellen. Flanieren sieht anders aus.


Zugegeben: Das Flex kennen die meisten Münchner elektronischen Nachtmenschen der Jahrtausendwende in Dunkelheit oder aufbrechender Dämmerung und in besonderen Bewusstseinszuständen. Am Tag und mit dieser Trashdeko sieht es aus wie ein Müllhaufen am Tierasyl. Ab und zu klammern sich Affen am Gitter fest und bitten um Befreiung aus dem Käfig des Trashs.


So sieht die Zukunft an der Ludwigsbrücke aus.


Und das blüht uns am Deutschen Museum, wenn die Treppen eingezogen sind.


Die Trashkultur bringt natürlich auch Urban Gardening im Kollektiv oder was sich die Trash-Szene darunter vorstellt. Unvermeidlich: Europaletten verfärbt. Ach, was sind wir doch bunt und natürlich ökologisch.

Was Bilder nicht vermitteln können, ist der Gesamteindruck mit Wahrnehmung von Lärm, Gestank, Müll und Massenabfüllung. Viele Bohemeamis hört man am Kanal, die sowas lieben und exportiert haben. In der Dunkelheit und im Suff erträglich, im Rauschkollektiv geil, auch für Zipper an bestimmten Stellen super.


Wie lehrreich abschreckend war diese Erfahrung am Donaukanal Wien, dem Vorbild für die Umgestaltung der Isar. Genießen wir den letzten Sommer einer herrlichen Stadtlandschaft, eingebettet in weltweit einzigartiger Wildästhetik. Für die Trash-Partypeople kommt nun ihre geliebte Aufwertung. Die anderen müssen sich schleichen. 

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